Neid – Sauer und Kohl erklären die Welt

Neid ist ein in unserer Gesellschaft weit verbreitetes und kategorisch abzulehnendes Phänomen.

Neid bedeutet, dass man gerne das hätte, was der Andere hat. Grundsätzlich hat der andere das, was er hat, ohnehin nicht verdient. Deshalb sind, laut Sartre, die Anderen ja auch immer die Hölle.

Am weitesten verbreitet ist der Neid auf Vorstandsgehälter. Vorstände, allen voran die Vorstandsvorsitzenden, arbeiten 400 Tage im Jahr und 180 Stunden in der Woche. Sie haben einen Blutdruck von mindestens 280 zu 200 und eine durchschnittliche Lebenserwartung von 44 Jahren. Es werden aber durchaus auch ältere Exemplare gesichtet.

Der durchschnittliche Vorstandsvorsitzende muss 3 Ex-Ehefrauen mit durchfüttern, mehreren Kindern aus mehreren Ehen teure Internate finanzieren, sich mehrmals jährlich vor dem Aufsichtsrat und einmal vor der Hauptversammlung rechtfertigen und ist immer an allem schuld. Das nennt man Gesamtverantwortung. Dies allein rechtfertigt schon ein siebenstelliges Gehalt. Vorstandsvorsitzende haben außerdem eine hohe gesellschaftliche Verantwortung für den Sharehold Value.

Frauen sind in Vorständen selten anzutreffen. Allenfalls als Personalvorständin . Sie verdienen auch hier schlechter als ihre männlichen Kollegen und verletzen damit keine über Jahrzehnte etablierten Traditionen. Man ist Vorständinnen gegenüber deshalb weniger neidisch hinsichtlich der Bezüge, ist aber grundsätzlich skeptisch, was sie da oben im Vorstand überhaupt verloren haben und nennt sie dann Quotenfrauen.

Überlebt ein Vorstand sein Mandat wird er Aufsichtsrat oder Golfspieler. Er lebt dann vom kargen Ersparten und schreibt seine Memoiren.

Ein weiterer betriebswirtschaftlich relevanter Aspekt des Neids ist der Bandwaggon Effekt. Das bedeutet, dass man gerne kauft, was andere haben. Das ist besonders schwierig, wenn man als Postbeamter zum Beispiel neben Christiano Ronaldo wohnt. Aber das kommt selten vor. Normalerweise bleibt man unter Seinesgleichen. Ronaldo bei Ronaldo und Postbeamte gibt es ohnehin kaum mehr.

Wenn man also immer mehr haben will als der Nachbar, lebt man in tätiger Unruhe. Diese wird als positive Konsumstimmung von den Wirtschaftswissenschaften geschätzt. Wäre ja noch schöner, wenn man einfach mit dem zufrieden wäre, was man hat.

Jammern hilft!

Motivationspsychologen und Trainer haben sich seit Jahrzehnten geirrt. Das Glas ist halb voll? Mit dem Positiven beginnen? Von wegen!

Im Pessimismus liegt das heil! Jammern hilft.

Vorbei die Zeiten, als wir nur Herausforderungen kannten und keine Probleme! Her mit dem Problem: Endlich was um d`ran, d`rauf und d`runter zu leiden! Heulsusen sind die neuen Helden und Heldinnen einer mit Optimismus völlig überladenen Zeit. Das Schlagwort: Frustrationsmaximierung!

Also dann los! Von wegen: „Da hilft kein Klagen!“!

jammern2

Wir wissen wie Welt geht

Die SPD sucht ihren Markenkern

April 2017: Und wieder sucht die SPD ihren Markenkern. Kurzzeitig glaubte man der große (eigentlich der kleine) Charismatiker Martin Schulz würde im Alleingang die sozialdemokratische Welt retten.

Dann hat man sich aber statt für „Gerechtigkeit“ für eine möglichen Koalition mit der FDP entschieden und das war`s: Gerechtigkeit – noch dazu soziale – und die FDP ? Schon gehen den Umfrageergebnissen der Sozen die Luft aus und die Kanzlerin ist im direkten Vergleich wieder vorne.

Selber Schulz! Wenn man`s sowieso ganz sicher verkacken will, weil das mit dem Regieren ja auch echt schwierig ist, hätte man ja auch Hein Blöd zum Kanzlerkandidaten machen können. SAUERUNDKOHL gehen in die Politikberatung!

April 2016: Die SPD ist auf der Suche nach ihrem Markenkern. Sie scheint ihn verloren zu haben.

Gemerkt hat sie das daran, dass sie keiner mehr wählt,- zumindest nicht mehr viele, wenn nicht Persönlichkeiten wie Malu Dreyer den Markenkern ersetzen.
Die brand essence – wir bewegen uns ja hier im amerikanisch geprägten Marketing – ist „ a phrase that communicates the fundamental nature of a trade name …“ – A h ja: „A phrase“ und hat viel mit der unique selling proposition (USP) zu tun. Also damit, wie man sich am besten verkauft..

Parallel dazu merkt die ehemalige Partei der kleinen Leute jetzt, dass die unter einer SPD geführten Regierung durchgezogene Rentenreform bei den kleinen Leuten in wachsendem Maß zu Altersarmut führt und, dass ein immer stärkeres Auseinanderklaffen von Arm und Reich auch nicht gerade ein gelungener Leistungsnachweis für eine Partei ist, die früher mal für den „sozialen Ausgleich“ stand.

Mitunter hört man, dass mit dem Aussterben der Arbeiterklasse auch das Klientel der SPD und dann eben, als Spätfolge, die SPD selbst fast zwangsläufig den Löffel abgeben musste. Allerdings sind nur aus der geringsten Zahl von Arbeitern Couponschneider und Manager geworden: Die meisten arbeiten weiterhin,- jetzt in Call Centern und verdienen am „Dailer“ wie sprechende Legehennen ihr Geld im Accord oder verpacken für Internetkonzerne, die es tunlichst vermeiden, in den Ländern, von deren Kaufkraft sie profitieren, Steuern zu zahlen. Da wären doch ein paar USPs ?

Die brand management Berater haben hier ein breites Aufgabenfeld und schon lange die ersten Vorarbeiten geleistet, denn das Gespenst des Markenkerns geht schon länger um in der SPD.

In einem Papier aus dem Jahr 2010 der Kommission Grundwerte der SPD

https://www3.spd.de/spd-webapp/servlet/elementblob/10525599/content

konstatieren die Verfasser schon „Die SPD bleibt Volkspartei“. Weiter schreibt die Kommission Grundwerte damals schon

„Die Verteilungsspielräume einer expansiven Sozialstaats- und Staatsinterventionspolitik, die von den fünfziger Jahren bis Ende der siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts die Grundlage einer politischen Integration aller Gesellschaftsschichten durch Teilhabe am wachsenden gesellschaftlichen Reichtum war, sind entfallen und flexiblen, oft prekären Berufswegen gewichen. Die Kürzung sozialstaatlicher Leistungen verstärkt den Eindruck einer einseitigen Abwendung der Volksparteien vom Sozialstaatskonsens.“ Und weiter:
„Die unteren Schichten sind weiterhin der materiellen und sozialen Verschlechterung ihrer Lage ausgesetzt. Die Verluste der Volksparteien rühren vom Verlieren und Verfehlen dieser Wähler Schichten her.“

Folgende Schlüsse werden daraus gezogen

– „Die SPD muss wieder parteiischer werden“ … (das ist ihr seit 2010 nicht gelungen)
– „Vor allem streichen wir das Wort „alternativlos“ aus unserem Wortschatz!“ (Das auch nicht)

Es folgen noch die Punkte 3 und 4, die auch nicht viel erhellender sind, als die Erstgenannten.
Danach analysiert die Kommission Grundwerte erstmal – marketingtechnisch durchaus korrekt – ihren Markt. Welche Zielgruppen gäbe es denn? Wie groß sind diese? Wie kann man diese identifizieren und ansprechen? Bei der Zielgruppenansprache und der Kommunikationspolitik wird es dann aber schon eher vage …
Konsequent folgen wird sicher ein rebranding, eine Neudefinition des USP, eine SWOT Analyse, Vision, Mission und Strategie (besser strategy) werden erneuert (reshaped). Auf den roll out darf man darf gespannt sein, kann es aber auch lassen.
Die SPD scheint die Werte verloren zu haben, die Sie fast 150 Jahr begleitet haben. So, als wäre für diese Werte kein Platz mehr, denn, noch ein Zitat aus dem Papier der Kommission :
„Die Internationalisierung von Kapital und Wirtschaft setzt nationale Regelungen in Sozial- und Beschäftigungspolitik nachhaltig unter Druck.“ Und diesem Druck hat die SPD in beeindruckender Weise n i c h t Stand gehalten.
Stattdessen hat sie jetzt einen Markt zu bearbeiten.

Fränkische Ostern !!!

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Von

sauerundkohlmittext

Sauerundkohl

Upps! Da ist dem Kollegen KOHL doch glatt ein lokalpatriotisches Osterblättchen gelungen! Etwas früh, aber wir können`s brauchen, denn am Sonntag nachmittag geht`s rund im Frankenstadion (das nicht mehr so heißt) … und wir sind gute Gastgeber, denn wir wünschen dem Werksteam von der Gummibärchenlimonadefabrik ganz viele Eier ins Nest, äh Netz! … wir verzichten ausnahmsweise gerne.

 

 

Blasenleiden – zur Politik der EZB

sauerundkohlmittext

Blasen sind ein spannendes Phänomen. Besonders, wenn sie platzen. Wie man besonders schöne und unnütze Blasen produziert, zeigt uns die EZB. Argumentiert wird damit, dass wir unbedingt eine höhere Inflationsrate brauchen. Das ist Quatsch. Aber die niedrigen Zinsen verhindern (hoffentlich), dass die hoch verschuldeten Länder in Süden Europas Pleite gehen, vulgo „die Grätsche machen“. Es ginge auch anders. Nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik nennt man sowas. Aber das ist seit den 80ern aus der Mode.

Beim Begriff „Blasen“ handelt es sich um ein Homonym, ein Wort mit mehreren Bedeutungen.
Das Verb „blasen“ steht zum Beispiel zum einen für eine beabsichtigte Gas- oder Sauerstoffzufuhr. Auch ein Instrument wird durch „blasen“ zum Klingen gebracht. Man verwendet ja, Ihnen sicherlich bekannt, die Formulierungen „das Licht ausblasen“, „Trompete blasen“ …
Das Verb „Blasen“ wird weiter umgangssprachlich für Oralverkehr synonym zu „fellationieren“ verwendet. Hierauf wollen wir in dieser kleinen Abhandlung allerdings nicht genauer eingehen.
Eine andere begriffliche Deutung soll heute Kern unserer Betrachtungen sein, nämlich
Die Blase
Als substantivisches Femininum verwendet, findet der Begriff „Blase“ oder der Plural „Blasen“ ebenfalls in unterschiedlichem Kontext Verwendung. Wir werden uns hier vom Konkreten zum Abstrakten vorarbeiten und beginnen mit den uns Allen schmerzlich bekannten Blasen, die sich entweder durch Reibung oder Hitzeeinwirkung an Händen und Füssen bilden.
Ich spreche hier zum einen die klassische Wanderblase an, die sich vor allem an Füssen bildet, ihren Standort aber – hier täuscht der Name – nicht wechselt. Ich möchte auch die Brandblase nicht unerwähnt lassen, die vor allem in der Nähe von Herdplatten und anderen Feuerstellen ihr Unwesen treibt.
Wie wir hier sehr schön sehen können, wird der Begriff „Blase“ im substantivischen häufig konkretisierend ergänzt, einmal durch den Entstehungskontext „Wandern“ oder schöner „Brand“, eine durch eine Verbrennung der Haut entstehende Blase, oder durch das die Blase beinhaltende Material, ich nehme hier als Beispiel die Luft-, Wasser, Gas- oder Harnblase.
Der Bezug zur Harnblase ist wahrscheinlich auch der Grund, warum bei der Suche nach „Blase“ bei http://www.duden.de kontextuell einschlägig Werbung für Produkte zur Reduzierung nächtlichen Harndrangs angezeigt wird. Aber auch dies führt uns heute nur weg vom Fokus unserer Betrachtungen.
Beschäftigen wir uns nun mit einer interessanten Sonderform der Blase, der Spekulationsblase. Dieser Begriff beschreibt, ich zitiere „einen überkauften Markt – in der Regel im Börsen-, Rohstoff- oder im Immobilienbereich -, der sich von der realen Wirtschaftsentwicklung völlig abkoppelt.“ Zitat Ende 1) . Intellektuell etwas verstiegener formuliert, reden wir im ökonomischen Sinne von Blasenbildung im Falle einer „Abweichungen eines Assetpreises (Asset) von seinem Fundamentalwert, in Modellen mit rationalen Erwartungen verursacht durch Verletzung der Transversalitätsbedingung.“ZitatEnde2).
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1) http://de.mimi.hu/borse/spekulationsblase.html
2) Weerth, Carsten Dr; Spekulative Blase, in Gabler Wirtschaftlexikon http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/spekulative-blase.html
Blasinstrumente

Bei den Blasinstrumenten unterscheiden wir Holz- und Blechblasinstrumente. Auch der Blasebalg und das zur Seifenblasenerzeugung häufig benutzte „Pustefix“ können durchaus als Blasinstrument bezeichnet werden.
Blasinstrumente sind weiterhin die Instrumente der Europäischen Zentralbank. Die EZB, ihr voran der Meisterbläser Mario Draghi, ehemals Goldman Sachs Manager und Chef der italienischen Zentralbank, kauft von den Banken Staatsanleihen im Wert von zukünftig monatlich 80 Milliarden Euro. Die bisherigen 60 Milliarden pro Monat hatten nicht gereicht um die Geldmengen im Euroraum wunschgemäß und hinreichend aufzublasen und eine Inflation von 2 % im Euroraum zu erzeugen. Diese Inflation ist wichtig, weil die Leute bei mehr Inflation mehr konsumieren. So jedenfalls die Theorie, die in einigen Aspekten so unsinnig ist, dass ich gar nicht weiter darauf eingehen will.
Es ist aber davon auszugehen, dass die EZB den Banken wohl vornehmlich die Staatsanleihen abkauft von denen sich die Banken gerne trennen. Sowas nennt man umgangssprachlich ein „Schrottpapier“. Das wäre vorstellbar und toll für die Banken. Dafür sollen die Banken dann Unternehmen mehr und billigere Kredite geben. Da freuen sich die Banken und die Länder mit den nicht ganz so attraktiven Staatsanleihen und die Unternehmen.
Außerdem senkt der Herr Draghi den Leitzins auf NULL. Das bedeutet, dass Banken von der EZB Geld für lau haben können und das dann weiterverleihen. Und das ist schön für die Banken und die Unternehmen und alle sollen sich nochmal freuen.
Auch wenn sich alle freuen, scheint das alles mit der Inflation aber nicht so richtig zu funktionieren, weil die Unternehmen die billigen Kredite scheinbar nicht wollen. Vielleicht, weil sie nicht wissen in welche Produkte sie investieren sollen, weil die Leute nicht so viel kaufen, wie sie sollten. Oder weil die Banken mit dem Geld, das sie da so billig bekommen, lieber an die Börse gehen und dort mit an den Finanzblasen rumbasteln zu denen wir weiter unten noch kommen.
Obwohl das so ja auch nicht stimmt, dass die Leute so wenig kaufen. In Deutschland haben wir, glauben wir den sogenannten Experten, seit Jahren ein in nicht unerheblichem Maß durch den privaten Konsum gestütztes Wirtschaftswachstum. Bei geringer Arbeitslosigkeit und einem eher stabilen Bundeshaushaushalt. Und jetzt investieren die Deutschen umso mehr in Immobilien, wenn sie sich `s irgendwie leisten können. Die werfen noch Renditen ab und werden immer mehr Wert. Die Mieten sind ohnehin schon hoch genug und steigen weiter, weil die Immobilien ja immer teuerer werden und weil man ja seine Rendite, früher hieß das mal Mietzins, haben will. Die Mieter freuen sich also nicht.
Wer also irgendwie kann, nimmt für wenig Prozent Zins und mit geringen Sicherheiten Geld auf und kauft sich eine oder eine weitere Immobilie(n). Entweder, weil er keine Miete mehr zahlen will oder kann oder, weil er noch reicher werden möchte. Das war in den USA vor gut 10 Jahren auch schon mal so. Freddie Mac und Fannie Mae. – Sie erinnern sich vielleicht. Wenn man immer leichte ohne Sicherheiten Schulden macht und Immobilien kauft, weil zu viel Geld im Markt ist, nennt man das dann eine Immobilienblase. Die wird dann größer, weil man für sein Sparbuch ja keine Zinsen mehr kriegt und deshalb lieber Wohnungen kauft. Oder man zockt an der Börse. Weil alle Häuser und Aktien kaufen, steigen dann die Preise und die Kurse.
Und wieder freuen sich erstmal alle, außer den Mietern und denen, die nicht mit an der Börse spekulieren und für ihr Geld keine Zinsen kriegen oder irgend so eine doofe Rentenversicherung oder eine andere Altersvorsorge haben, die nichts abwirft.
Bumm!
Irgendwann ist die Immobilien- und Finanzmarktblase dann richtig fett und groß. Dann findet irgendein Großanleger das alles übertrieben und steigt aus. Die Kurse fallen, man guckt mal genauer auf die Risiken, noch einer steigt aus. Oh mein Gott, da haben ja Menschen fast ohne Sicherheiten Kredite … und die Kurse fallen.
Wenn die Blase platzt, werden die Banken als „systemrelevant“ oder wahlweise „too big to fail“ bezeichnet werden, in nicht unerheblichem Maße gerettet. Die Kurse fallen weiter und die Leute lassen ihre Immobilien zwangsversteigern. Alles rennet, rettet, flüchtet. Freuen tut sich dann keiner mehr. Im Euroraum nicht und auch woanders.
Insgesamt ist das mit d e m Euroraum ja ohnehin so eine Sache: Die Briten wollen ja eh lieber ganz raus aus der EU, haben keinen Euro und wollen bereits seit den 80er Jahren ihr in die EU investiertes Geld zurück. Die Dänen haben auch keinen Euro. Polen, Ungarn, Bulgarien profitieren wirtschaftlich deutlich von der EU, haben aber auf eventuell daraus erwachsende Verpflichtungen, wie zum Beispiel die Aufnahme von Flüchtlingen oder Pressefreiheit, wenig „Bock“.
Spanien, Italien, Griechenland und Portugal haben eine hohe Arbeitslosigkeit und eine hohe Staatsverschuldung. Sie würden gerne Kredite aufnehmen, dürfen aber nicht, weil sie schon genügend Kredite haben. Die 35 % bis 50 % der Bevölkerung in diesen Ländern, die jung und arbeitslos sind oder die über 10 bis 25 %, die in diesen Ländern insgesamt arbeitslos sind, sind ja vielleicht auch für die Konsumzurückhaltung verantwortlich im Euroraum. Häufig kaufen Menschen, die nichts besitzen, kein Einkommen und eine unsichere Zukunft haben, wenig. Vielleicht sind diese Menschen ja verantwortlich dafür, dass die Unternehmen nicht wissen in welche Maschinen sie investieren sollen und deshalb von den Banken kein billiges Geld wollen.
Oder vielleicht sind es ja auch die Staaten, die sparen müssen und für Unternehmen keine Aufträge haben.
Während der Herr Draghi also die ganze Zeit Geld ins Angebot pumpt und das offensichtlich nicht so richtig funktioniert wäre eine nachfrageorientierte Wirtschaftspolitik ja vielleicht eine nette und blasenfreiere Idee. Bei 750 Millionen EU Bürgern und 960 Milliarden Investitionsvolumen könnte man doch durchaus einen netten Stimulus setzen, – nachfrageseitig.
Das was der Herr Draghi da aktuell mit seiner EZB macht, soll, glaubt man der „Wirtschaftswoche“ , seit den 80er Jahren in Japan schon nicht funktionieren. Dann macht es ja auch nicht so viel Sinn, das alles weiter zu machen und noch einen drauf zusetzen, oder?

Sex attack – was für ein Titel!

Jeder von uns wird täglich mit 3000 Werbebotschaften bombardiert. Als werbetreibendes Unternehmen, das eine dieser 3000 Werbebotschaften losschickt, hat man da ein Problem – gemäß Managementneusprech steht man vor einer Herausforderung: Wie erreicht man da Aufmerksamkeit, Wahrnehmung, Erinnerung der Werbebotschaft, wie kommt man ins relevant Set der Zielgruppe ?
Die Lösung seit jeher: Sex sells! Das funktioniert manchmal gut und sogar sinnvoll, wenn Sex zum Produkt passt. Das gilt zum Beispiel für die „Ich mach`s mit“ Kampagne der Aids Stiftung. Insbesondere die Hersteller filigran gearbeiteter Damenunterwäsche tragen hier mit ausgezeichneten, gut fotografierten Kampagnen dazu bei, das Unfallrisiko geschlechtsreifer, männlicher Autofahrer in der Nähe so genannter City light Poster signifikant zu erhöhen. Aber auch Sushi kann man mit dem Slogan „Ich bin rollig“ bewerben.
Nicht schön, aber geht noch.

Abwegig wird es dann beim Landesamt für Vogelschutz in Bayern e.V., der mit dem schönen Slogan „MITVÖGELN“ neue Zeile (kleiner) „WIRD NÜRNBERG LEBENDIGER“ die Aufmerksamkeit des Vo!gelfreunds zu gewinnen versucht.Der Slogan ist zwar schon älter, die Kampagne aber immernoch hinreichend peinlich.
So startet man dann, gerade mal an der dritten Großflächenwerbung vorbeigefahren, sexuell aufgeladen in den Arbeitstag und weiß schon vor Arbeitsbeginn welcher Art von Tagträumen man später am Tag in einer langweiligen Besprechung nachgehen wird.
Gespannt darf man sein, was als nächstes passiert: Der ADAC wirbt mit dem Slogan „Wenn`s mal bummst!“ ? Der Verband der Kleinzüchter mit „Bei uns wird gerammelt“ ? Der Verband der Hundezüchter mit „Wir wollen Deine Möpse sehen ?“ oder die Edelkatzenschau Großgerau anlässlich der Jahresausstellung mit „ Jetzt! 200 Muschis !“.

Hauptsache, es verkauft!

Schlaue Leute: Colin Crouch

“ Je mehr die Großkonzerne den Markt beherrschen, desto asymmetrischer wird ihr Verhältnis zu den Bürgern bzw. Konsumenten.Und je mehr die Politik dem Beispiel der Wirtschaft folgt, desto asymmetrischer wird das Verhältnis zwischen Regierung und Volk.“

Nein, das geht n i c h t in die falsche Richtung. Er schreibt weiter

„Da die formelle Konkurrenz zwischen den etablierten Parteien zunehmend inhaltlos wird -unter anderem, weil sich alle Parteien im Großen und Ganzen an die von den Unternehmen diktierte Agend halten-, erscheinen ausländerfeindliche Bewegung als die einzigen, die vereintliche (Hervorhebung SauerundKohl) Alternativen aufzuzeigen, obwohl sie nichts anderes tun, als die nationale Identität, auf die sich nahezu alle Parteien berufen, exzessiv zu übersteigern.“

Quelle: Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus; Crouch, Colin, 4. Auflage, 2013 (erste Aufl. 2011) Edition Surkamp, S. 238

Anmerkung SAUERUNDKOHL: Das Buch wurde 2012 mit dem Preis „Das politische Buch“ der Friedrich Ebert Stiftung ausgezeichnet. Die ist, so sagt man, SPD-nah. Nach der Ministererlaubnis zur EDEKA Tengelmann Fusion- aber auch schon vorher – fällt mir schon mal ein SPD Spitzenpolitiker ein (also spitze ist er nicht, aber weit oben), der das mal lesen sollte. Und wenn ich erst an die naive TTIP Argumentation denke…

 

Landtagswahlen-tief im Braunen

sauerundkohlmittext

März 2016 – „Hey Yvonne, hol mir die Mami ans Telefon“ sang Gunter Gabriel 1974. Zur Strafe musste er dann ins Dschungelcamp. 1974 wurde Helmut Schmidt (SPD) Bundeskanzler und Nachfolger von Willy Brandt (SPD). Damals war die SPD, deutschlands älteste Partei, eine echte Volkspartei.
Die Mami ans Telefon holen lassen hätte auch Gunter Gabriels Namensvetter Sigmar (SPD) nach den Ergebnissen der Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Sachsen-Anhalt und sich dann kräftig ausweinen. Macht er aber nicht. Seine Partei verliert im Süden und Osten fast die Hälfte ihrer Stimmen und bleibt gerade mal zweistellig, aber Malu Dreyer schneidet gut ab und dann passt wieder alles.
Ausblenden nennt man das wohl (oder schön reden) und, obwohl keine der etablierten Parteien mit ihrem Ergebnis in allen 3 Bundesländern in Summe auch nur annähern zufrieden sein kann, treten ihre Repräsentanten mit einem positiven Feedback vor die Medien. Da haben die PR Berater und Kommunikationstrainer ganze Arbeit geleistet.
Es kann wohl gar nicht so schlimm kommen, dass ein gut ausgebildeter Berufspolitiker an irgendeiner Situation nicht noch was Gutes findet, wenn er will. Sitzt er tief in der Scheiße, freut er sich über das geschmackvolle Braun und darüber, dass er einen Schnupfen hat. Und, ist der Haufen groß genug, über die gute Aussicht.
Vielleicht ist es das, was viele nervt und dann leider in die Arme irgendwelcher dubioser Heilsbringer treibt. Politische Diskussionen, so sie überhaupt geführt werden, enden mit einem „Basta“ , Handlungsweisen sind „alternativlos“, Kritik wird in schärfster Form und als haltlos zurückgewiesen.
Oder aber, alles ist gut. Binär, schwarz-weiss. Basta.
Sie meinen, dieser Text wäre das auch? Binär. Schwarz-weiss. Hoffentlich haben Sie Recht.