Faszination Sprache: Frühschoppen

Zur Zeit unserer Altvorderen war Frühschoppen eine schöne Möglichkeit sich am Sonntagmorgen die Kante zu geben. Das wurde als elementarer Bestandteil abendländischer Kultur verstanden.

Danach gings heim zu Mutti und den Kindern: Lecker Mittagessen und dann Sofaschläfchen.

Im Fernsehen gab es sogar den Internationalen Frühschoppen. Da hat dann ein Rudel Journalisten an besagtem Sonntagmorgen im Ersten bei Weisswein und vollen Studioaschenbechern die Weltlage diskutiert. Je nach Pegel sieht man die Weltlage

  • bis ca 1,1 Promille erregt und erhitzt (Stufe 1)
  • ab 1,1 Promille machtlos und gelassen (Stufe 2) bei nachlassend präziser Artikulation

Bei einer Trinkgeschwindigkeit von 0,5 Litern (Weißwein) / Stunde ist die Stufe 2 bei einem Veranstaltungsbeginn um 10 Uhr so gegen 11 Uhr 30 erreichbar. Beschleunigt man dann weiter, führt dies häufig zu Appetitlosigkeit und Diskussionen mit Mutti, die vermieden werden sollten 1).

Auch heute hätten wir hinreichend Grund uns die Weltlage schön zu trinken. Wobei die Diktatur des Proletariats etwas anders, als wir das bisher kannten, aktuell ja vor allem in den USA wenig fröhliche Urstände feiert.

Innenpolitisch wird uns auch weiterhin eine große Koalition durch weitgehende Tatenlosigkeit sedieren. Auch hier sind Diskussionen mit Mutti wenig erfreulich und führen zu nichts, sodass  vor allem Bewältigung der Außenpolitik Alkoholunterstützung erfordert. Man hat ohnehin den Eindruck, der eine oder andere hätte sich bereits vor Amtsantritt blöd gesoffen.

Heute versteht man unter Frühshoppen, wenn man vor 10 Uhr 30 morgens schon beim Einkaufen ist.

  1. vgl. hierzu: Bolzky, Hanko: Alkohol als Instrument der politischen Willensbildung – ein Selbstversuch; in: Zeitschrift für den politischen Alltag, 34. Jahrgang, Heft 233, S. 34-39

 

Der Mensch als Nutztier – Teil 2: Das Brathändl

Bronsky Landmann begibt sich heute auf eine aufregende Expedition in den Arsch unserer Gesellschaft!

Im Sommer tauscht der Mensch gerne die Enge der Großstadt mit der Enge des Hotelzimmers am Urlaubsort. Zwischendrin geht es auf Autobahn und Flughafen eng zu.

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Bronsky Landmann Unser Fachmann für Nutztierhaltung

Er begibt sich am Urlaubsort an den Strand, beschmiert sich mit bräunungs-fördernder Flüssigkeit und bräht sich, Reihe an Reihe mit seinen Artgenossen, kross.

Ein ähnliches Schicksal erlebt auch das Brathuhn. Allerdings postum. Es wird Reihe an Reihe, Kopf an Hals mit einen bräunungsfördernden Flüssigkeit bepinselt und bei hoher Hitze braun gebraten. Dem Menschen bleibt die hierzu erforderliche  Bastonade erspart. Er bräht nicht am Spieß. Die Rücken-an-Hals Reihung, das sogenannte Brownnosing, erlebt er ohnehin täglich in seiner Arbeitswelt. Das nennt man Karriere machen.

Dem Huhn ist das braun werden eigentlich egal, denn es ist zu diesem Zeitpunkt tot. Dem Menschen ist das braun werden wichtig, denn das ist schön, wirkt sympathisch und sexuell attraktiv und dokumentiert, dass man sich einen ordentlichen Urlaub leisten kann.

Irgendwann kommt der Mensch wieder nach Hause. Er tauscht Badehose, Socken und Sandalen wieder gegen Anzug und Krawatte; Bundesliga und Schule fangen wieder an.

Der Mensch begibt sich also, braungebrannt, Kopf voran wieder in den Arsch seines Chefs, was in Anbetracht der eigenen Bräune dann nicht ganz so sehr auffällt. Aus diesem Grund wird ein brauner Teint häufig als die Flecktarnung des Karrieristen fehlinterpretiert.

Auf dem Weg von der Arbeit  nach Hause kauft er sich dann hin und wieder zum Trost ein halbes Hähnchen.

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Oh mein Gott! : Wir sind Colin Crouch auf dem Leim gegangen!

Sauer und Kohl entschuldigen sich (bei all denen, die unsere Kolumne ohnehin nicht lesen), denn wir haben Colin Crouch und das Buch „Postdemokratie“ gelobt.  Jetzt mussten wir von der Bertelsmann Stiftung erfahren: Das Buch ist böse und noch schlimmer: Populistisch!!!

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Die Bertelsmannstiftung hat den Populismus untersucht. Populist ist man zum Beispiel, wenn man glaubt, dass es in diesem Land eine politische und ökonomische Elite, ein „Establishment“ gäbe, das das staatliche Handeln wesentlich bestimmt und Wahlen eigentlich nur wenig beeinflussen.  Groteste Idee! Ordentliche Menschen sehen das nicht so, sagt Bertelsmann. Die Bertelsmänner gehören vielleicht auch ein bisschen zum neoliberalen Establishment und sehen die Welt aus einer etwas anderen Perspektive.

Betrachtet man Banken- und Dieselskandal, das langweilige Dahinregieren der großen Koalition, dass es die Vermögenssteuer nicht einmal ins Wahlprogramm der SPD schafft,  und die zunehmende Spaltung von Arm und Reich, könnte man ja fast den Verdacht haben, da sei was dran am Einfluss des Establishments. Auch Colin Crouch, den wir für sein Buch „Postdemokratie“ mal ausdrücklich gelobt haben, sieht das  so und begründet das ausführlich, kriegt dafür sogar einen SPD-nahen Buchpreis (gut,- das macht uns wirklich etwas skeptisch) und  ist also ein mieser Populist.

Im Populismus sammelt sich das Böse: Jeder Art von Skepsis gegenüber Staat und Wirtschaft ist, so scheint es, populistisch.  Dann ist man ganz schnell mit den Neonazis im gleichen Topf. Deckel drauf auf basta!

Endlich wieder ein dummer Begriff damit dumme Leute  der Gefahr aus dem Weg gehen, differenziert (das ist das mit „pro und contra“) argumentieren zu müssen. Begriffe statt Inhalte.

Deshalb ist es Sauer und Kohl (und wahrscheinlich auch Herrn Crouch) ziemlich scheißegal  mit welchen Begriffen diese  Hohlköpfe um sich werfen.

 

Der Mensch als Nutztier – Warum Staatssekretäre keine Eier legen

Stolzerfüllt präsentieren Sauer und Kohl einen weiteren Gastautor! Bronsky Landmann mit seinem Beitrag: Der Mensch als Nutztier

Mit Bronsky Landmann, unserem Spezialisten für Mensch und Tier, kommen wir der wirklichen Welt wieder einen wesentlichen Schritt näher!

Bronsky Landmann, Referent bei Bauernverband Mittelfranken,  (Bild folgt) erklärt uns heute eine weitere Facette des Menschen: Seine Eignung als Nutztier.

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Bronsky Landmann Unser Fachmann für Nutztierhaltung

Grundsätzlich legt der Mensch keine Eier. In der Regel hat er außerdem keine Federn und wird zur Gattung der Säugetiere gezählt. Die Ähnlichkeiten mit dem Huhn halten sich also in Grenzen: Der Mensch gackert selten,  Mensch und Huhn können nicht fliegen.

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Vom Huhn – wir konzentrieren uns heute auf das Legehuhn, mit dem Brathuhn beschäftigen wir uns später –  wissen wir aus dem frühen deutschen Schlager, dass es niemals ins Büro muss, nicht viel zu tun hat, außer Eierlegen, und seine Produktionsleistung besonders gerne am Sonntag erbringt, weil es da „sogar 2“ Eier legt. Auch hier ähnelt das Huhn dem Menschen nicht.

Das Huhn muss häufig unter wenig erbaulichen und beengten Bedingungen leben und produzieren. Das nennt man Legebatterie  oder Massentierhaltung. Auch der Mensch produziert und lebt mitunter in wenig erbaulichen Bedingungen. Das heißt dann Großstadt (beengt) oder Callcenter (beengt und wenig erbaulich). Von Massenmenschhaltung wird hingegen eigentlich nie gesprochen.

In der Großstadt verbringt der Mensch seine Zeit mit U-Bahn fahren, im Stau stehen und der Pflege seiner Neurosen. Ob Hühner Neurosen haben, ist nicht bekannt, aber bei den dargestellten Arbeitsbedingungen wahrscheinlich. Das Huhn reagiert auf die Arbeitsbedingungen dadurch, dass es Feder verliert. Das kann der Mensch nicht, weil er keine hat. Er streikt gegebenenfalls oder bekommt einen burn out.

Während das Huhn vom Menschen ausgebeutet wird, beutet sich der Mensch nicht mehr selbst aus. Das war früher und hieß“ Manchesterkapitalismus“. Heute wird der Mensch als Produktionsfaktor effizient eingesetzt.

Das ist etwas grundlegend anderes, wird auch  als „optimale Allokation der Ressourcen“ bezeichnet, und ist richtig, weil es wirtschaftlich rational ist.

Wenn ein Huhn keine Eier mehr legt, bekommt es einen Stromschlag und wird dann weiterverwertet. Der Mensch kann unter eher normalen Bedingungen so bis sechzig  arbeiten, muss dann aber weitermachen wegen der Rente. Einen Stromschlag bekommt er nach Ende seines Produktionslebens bisher nicht.

Auf Stress reagieren Mensch und Huhn  gerne mit Herzversagen. Beim Huhn ist das schlecht wegen der Produktionsleistung, die dann unerwartet abbricht. Beim Menschen ist das wegen der Rentenkasse und aus volkswirtschaftlicher Sicht ein sehr interessanter Weg.

Grundsätzlich hat das Huhn eine sehr kurze Ausbildungszeit. Es beherrscht die auszuübende Tätigkeit früh und ohne Anleitung. Beim Menschen erfordert es hingegen eine kostenintensive und lange Anlernphase bis er, sagen wir mal, als Staatssekretär oder Gartenbaugehilfe seiner Tätigkeit nachgehen kann.

Der Beitrag zur gesamtwirtschaftlichen Wohlfahrt ist bei Hühnern und Gartenbaugehilfen unzweifelhaft. Auch bei Staatsekretären ist bekannt, dass sie keine Eier legen können und fast immer in Großstädten leben. Die  Bewertung ihrer Produktionsleistung wird zumeist postum vorgenommen und fällt in der Regel ernüchternd aus. Im Gegensatz zu Huhn und Gartenbaugehilfe geht der Staatssekretär früher in den Ruhestand oder in die freie Wirtschaft. Dort wirkt er unter hohen Bezügen netzwerkend und heilsbringend.

Während ein Huhn so circa 280 Eier pro Jahr legt, schafft ein Staatssekretär in diesem Zeitraum durchschnittlich 160 Aktennotizen und die Mitwirkung an zwei Gesetzesvorlagen1).

In Deutschland gab es 2016 ca. 40 Millionen Hühner, die immer mehr in Bodenhaltung und weniger im Käfig arbeiten und 12 Milliarden  Eier legten. Laut dem Bund der Steuerzahler gibt es aktuell 33 Parlamentarische Staatssekretäre und weiter eine  ganze Reihe beamteter Staatssekretäre, die  in Großstädten leben.  Diese stehen sich laut dem Bund der Steuerzahler ständig gegenseitig im Weg und das führt zu „Rangeleien und Komplikationen“ und ist außerdem teuer.  Eine Käfighaltung bei Staatssekretären könnte derartige Rangeleien vermeiden helfen, ist aber dennoch nicht vorgesehen.

Die meisten Staatssekretäre gibt es in Berlin. Das ist aber nicht der Grund, warum Berlin besonders arm, nachlassend sexy und führend im Bereich vergeigter Großprojekte  ist; könnte zur Erklärung aber signifikant beitragen.  Ab September gibt es in Berlin auch noch mehr Bundestagsabgeordnete, die nicht in Käfighaltung gehalten werden, keine Eier legen und auch mitunter neurotisch sind. Auch bei Neurosen liegt Berlin deutlich vorn. Dafür gibt es in Berlin auffallend wenig  Hühner. Brathühner gibt es dort schon, aber damit wollen wir uns, wie bereits oben gesagt, später beschäftigen.

Vgl.: Bong, Hans-Jürgen: Die Leistungsbeurteilung bei Staatssekretären; Schriftenreihe für das gesamte Formularwesen, 11/2015; S. 233 bis 235